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Eine Frage der Satire – Titanic provoziert die Kirche
Das neue Cover des Satire-Magazins “Titanic” polemisiert – ohne Zweifel. Dargestellt ist ein christlicher Geistlicher, dessen Kopf auf Geschlechtshoehe von Jesus am Kreuz kniet. Jesus hat einen hochroten Kopf, darunter steht geschrieben “Kirche heute”.
Die einen sehen es als angebrachte Kritik an der Kirche, die anderen als primitive Verhöhnung des christlichen Glaubens. Der naechste sieht es gelassen, holt sich Popcorn und wartet ab was passiert.
Mich persoenlich erinnert das Bild an die beruehmten Mohammed-Karrikaturen von 2005/2006. Damals gab es einen aehnlichen Aufschrei der von allen Medien aufgegriffen wurde. Es wurde in der selben Art und Weise kontrovers diskutiert was nun Satire darf und was nicht. Nun sind es allerdings die Katholiken die Sturm laufen.
Das Thema ist derart brisant, dass inzwischen auch der Focus und andere nahmhafte Zeitungen darueber berichten. In der Satire-Abteilung des Spiegels hingegen macht man sich weiter lustig ueber das Thema, im Internet gibt es beide Meinungen. Das Beispiel Facebook zeigt: die einen sind dafuer, die anderen dagegen. Der Grossteil der User hat jedoch entweder nichts mitbekommen oder schert sich schlichtweg nicht darum.
Interessant finde ich wie wenig Humor einige der Katholiken verstehen. Dass es die Missbrauchsvorfaelle gab ist nicht von der Hand zu weisen und wohl oder uebel wird man dazu stehen muessen. Der Papst verhaelt sich bei der gesamten Diskussion um die Missbrauchsvorfuerfe genau so zaeh und langsam wie man es von der katholischen Kirche gewohnt ist, doch daran kann ich nichts gutes abgewinnen. Diese Karrikatur koennte etwas Schwung in die Sache bringen. Allein das rechtfertigt meiner Meinung nach schon die Publikation. Damals bei den Mohammed-Karrikaturen haben die meisten Katholiken geschwiegen, traf es doch nur die Andersglaeubigen. Jetzt sehen sie sich selbst in dieser misslichen Situation und ploetzlich wird die Diskussion auf einem ganz anderen Niveau gefuehrt. Nun spricht man davon, dass die katholische Glaubenslehre “beschimpft” wird und klagt gegen die Satire-Zeitung, versucht Kritik im Keim zu ersticken. Wenn man schon nichts gegen die Missbrauchsvorwuerfe an sich tun kann, immerhin haben das die Leute aus den eigenen Reihen verbockt, dann will man sich wenigstens vor solchen schmutzigen Bildchen schuetzen. Dabei ist es die Satire doch nur der Humor, der die Geduld verloren hat. Na gut, zu lachen hat man bei der Kirche zur Zeit sowieso nichts …
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Vision: Religion uebernimmt Schulen
2008: Ein Schueler will an seiner Schule beten. Sein Drang ist so stark, dass er dafuer sogar vor Gericht zieht – und gewinnt. Ab sofort darf ihn niemand mehr an seinen Gebeten hindern und das obwohl schulische Bildungseinrichtungen eigentlich religioes neutral gehalten sein muessen. Die einzige vom Gericht gestellte Bedingung: das Gebet darf den Unterrichtsfluss nicht stoeren und muss vom Schueler entsprechend gelegt werden. Zahllose Schueler folgen der Idee regelmaessig in der Schule zu beten. Es kommt zu ganzen Gebetsorgien.
2010: Nach fast einem Jahr gerichtlicher Auseinandersetzung boxxt ein Schueler vor Gericht durch, dass er zum Beten die dafuer notwenige Zeit von rund 15 Minuten am Stueck nehmen darf, auch wenn dabei der Folgeunterricht teilweise gestoert wird. Es koenne nicht sein, dass die schulischen Betriebszeiten ueber das Grundgesetz gestellt werden, so die Richter.
2011: Es gibt nun eigene Gebetsraeume in einer der groessten deutschen Schulen. Diese wurden angeschafft, weil betende Schueler auf Gaengen und in Klassenzimmern die schulischen Aktivitaeten derartig behinderten, dass es den Lehrern sowie dem Schulleiter zuviel wurde. “So konnte das nicht weiter gehen. Taeglich liessen sich duzende Schuelern auf dem Gang und in Klassenzimmern nieder um ihre Gebete zu sprechen. “Diesen Zustand koennen wir nicht weiter dulden. Wir muessen Ausweichraeume einrichten, da die Beterei Ausmasse annimmt, mit denen keiner gerechnet hat”, so der Schulleiter.
2012: “Ich brauche meinen eigenen Gebetsraum”. Schueler klagt vor Gericht fuer seinen privaten Gebetsraum, den er sich seiner Religion zufolge ganz speziell einrichten muss. Paradox: der Schueler ist der Gruender und zeitgleich das einzige Mitglied dieser Religion. Das Gericht gibt ihm recht und verweist in der Begruendung auf das Grundgesetz und den Schutz der Religionsfreiheit.
2015: Die Bildungsministerin fordert das Parlament in einem offenen Brief dazu auf in der kommenden Abstimmung fuer die Aenderung des Grundgesetzes zu stimmen. Der Bau neuer Zimmer fuer zahllosen Forderungen nach eigenen Gebetsraeumen in Schulen habe Millionen Euro deutschlandweit verschlungen. Damit muesse jetzt endlich schluss sein, so die Bildungsministerin. Inzwischen sei es zum Volkssport unter Jugendlichen geworden seinen persoenlichen “Chilloutroom” in der Schule zu ordern und darin den Grossteil der Schulzeit zu verbringen. Alles unter dem Deckmantel der Religion, so die Kritiker.
2018: “Religion vor Bildung – die erste Schule versagt!”, so titelt die groesste deutsche Boulevardzeitung. Eine Schule im Sueden von Deutschland musste aufgeben, da die finanziellen Mittel, die notwendig gewesen waren um die Schule mit den entsprechenden Gebetsraeumen auszustatten, schlichtweg nicht vorhanden waren.
2019: Ein Schueler gesteht in einem Zeitungsinterview, das man inzwischen nur noch als cool angesehen wird, wenn man seinen eigenen “Chilloutroom” hat. Damit ist nun offiziell bestaetigt, was insgeheim schon lange klar war. Das Volk ist erzuernt!
2024: Nachdem das Bildungssystem beinahe komplett kollabiert ist, putscht die seit 2016 bestehende “Volksinitiative zur Abschaffung der Religionsfreiheit an Schulen”, welche in den letzten Jahren massiven Zulauf an Migliedern gewonnen hat. Sie erzwingen die Aufloesung der Religionsfreiheit in Schulen und beenden damit in einem Blutbad das, was einst mit einem einfachen Gebetswunsch begonnen hat. – Die Religionsfreiheit an deutschen Schulen wird aberkannt. Eine neue gesetzliche Regelung schreibt vor, dass von nun an jegliche Form von Religionen an deutschen Schulen verboten ist!
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England: Sony entschuldigt sich – Geld gibt es aber nicht!
Die laecherliche Aufforderung der katholischen Kirche hat inzwischen Sony erreicht. Die Kirche von Manchester forderte vor kurzem Sony dazu auf das Spiel “Resistance: Fall of Man” vom Markt zu nehmen, da die Kathedrale von Manchester in selbigem Schauplatz eines Kampfes der Menschheit gegen Aliens von einem anderen Planeten wird. Sony hat sich nun zu den Vorwuerfen geaeussert und sich dafuer entschuldigt eventuell religioese Gefuehle verletzt zu haben. Mehr wollte man der Kirche aber nicht zugestehen – Geld schon gleich zweimal nicht. Man fuerchtet sich scheinbar nicht vor einer eventuellen gerichtlichen Auseinandersetzung mit der Kirche. Sollen sie es doch versuchen.
Man bleibt bei Sony naeher an der Realitaet als bei der Kirche habe ich das Gefuehl. Die Stellungsnahme klaert die Kirche auch darueber auf, dass man unterscheiden muesse zwischen der heutigen Kirche und der Kirche im Spiel – das Spiel handelt in den 1950er Jahren. Das Argument der Kirche, dass sich durch das Spiel die Menschen in Manchester dazu angestossen fuehlen in der Kirche Amok zu laufen ist also auch aus der Sicht von Sony weit hergeholt. Der direkte Vergleich, denn man bei den Glaeubigen anfuehrt hinkt also.
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England: Keine Schiesserei in der Kathedrale – auch nicht virtuell!
Irgendwie suess finde ich ja die Kirche von England. Da ist man der Meinung, dass Sony den Egoshooter “Resistance: Fall of Man” vom Markt nehmen solle. Als Grund wird angegeben, dass Schiessereien in der Kathedrale nicht geduldet werden – auch keine Schiessereien virtueller Art.
Interessant ist dabei die Argumentationsweise die man bei der Kirche heraufbeschwoert: die Kathedrale sei “eine Stätte des Lernens, des Gebets und des kulturelle Erbes”. Fein, aber mal ehrlich – wen interessiert das? Bisher wurden diese Orte auch verwendet um Actionfilme zu drehen. Hat da jemand gejammert? Ich streite nicht ab, dass die Attriubte auf die Orte zutreffen, aber ausser euch duerfte das kaum jemanden interessieren. Man muss unterscheiden zwischen Spiel und Realitaet. Bisher dachte ich immer, dass das nur den Spielern solcher Spiele schwerfaellt – zumindest teilweise. Aber diese Meldung bewegt mich zum Umdenken. Auch die notorischen Nicht-Gamer scheinen partiell den Bezug zur Wirklichkeit zu verlieren.
Fein, fein, liebe Firma Kirche. Ihr moegt einen enormen Einfluss haben, den ich persoenlich uebrigens sehr bedauere – das aber nur am Rande erwaehnt. Dieser Einfluss heisst aber noch lange nicht, dass ihr ueberall eure Finger reinstecken muesst. Wenn ich gedanklich durch eure Kirche renne und irgendwelche Leute abknalle oder sonstige unzuechtige Dinge tue, dann habt ihr auch nichts zum hupen. Ich solltet eure Energie lieber in Gebete stecken. Beispielsweise koennte man sich wuenschen, dass Gott keine Spielentwickler mehr zu Erde laesst, die solche Gedanken haben koennten – vielleicht bringt es ja was. Bleibt bitte bei euren Gebeten und versucht nicht permanent bei Dingen mitzureden, von denen ihr keine Ahnung habt!
Update (12.06.2007): Nun berichtet auch gulli.com ueber den Vorfall. Dort stellt man sich die Frage ob der Ansporn der Kirche nicht vielleicht eher der Schadensersatz sei als die Wahrung des Charakters der Kathedrale.
