Googles Zensurpolitik geht in eine neue Runde
Inwieweit kann man seine Meinung noch aeussern und wann muss man schweigen? Ein Teil des Herzens des modernen Internets stellen Suchmaschinen dar. Jeder kennt sie, jeder hat sie schon mal benutzt. Allen voran ist Google der Marktfuehrer.
Wenn sich der Anwender fast ausschliesslich durch Suchmaschinenergebnisse durchs World Wide Web bewegt, wird schnell klar welche Stellung die wenigen Suchmaschinen einnehmen, die das Monopol besitzen. Passt einer Suchmaschine eine Seite nicht in den Kram und schmeisst sie diese aus dem Suchindex, dann befinden sich fuer diese Seite die Besucherzahlen rapide im freien Fall.
Zensur ist ein boeses Thema und wird oftmals gemieden. Auch bei Google spricht man nicht gerne ueber Zensur – es passt einfach nicht ins Motto “don’t be evil”. Und dennoch gibt es auch bei Google Zensurmassnahmen. Es wird jedoch nicht nur zensiert was Google gegen den Strich geht, sondern auch was der Politik nicht in den Kram passt. So zensiert Google seit laengerem in China und seit neustem auch in Korea.
Damit ergibt sich ein weitreichendes Problem, denn wer entscheidet was zensiert wird? Google selbst? Die Politik? Ein einzelner Buerger mit dem notwendigen Kleingeld?
In China und Korea mischt sich die Regierung ins Geschehen ein. Ob aus (vorgeschobenen) Jugendschutzgruenden, oder aus staatlichem Interesse sei dahingestellt. In Koreas Fall wird bei einem pornographischen Suchbegriff eine Eingabemaske vorgeschoben ueber die sich der Besucher ausweisen muss. Abgeglichen werden die eingegebenen Daten dann mit einer staatlichen Datenbank. Weiterhin werden “bei dieser Vorgehensweise Daten zum Suchverhalten des Surfers unmittelbar an staatliche Stellen weitergeleitet” schreibt gulli.com. Damit gelangt der Staat an Daten, die ihn ueberhaupt nichts angehen und ihn eigentlich nicht zu interessieren haben – eigentlich!
Streiten kann man sich nach wie vor ueber den Sinn und Unsinn solcher Altersverifikationen, denn wer sagt, dass die Kinder nicht einfach den Ausweis der Eltern dafuer hernehmen? Oder schlichtweg die englischsprachige Version von Google benutzen um auf die Pornoseiten zu gelangen? Auch ein Proxy wirkt bei diesem Vorhaben Wunder. All diese Informationen kann man sich ergooglen – was fuer eine Ironie.
Doch auch in Deutschland sind wir einer Zensur unterworfen. So nahm Google vor einiger Zeit bereits YouPorn, ein Videoportal aehnlich YouTube – nur eben mit pornographischem Inhalt, aus dem Suchindex – kultik.de berichtete. Die Suche nach youporn laesst verlauten, dass eine Seite aus dem Index entfernt wurde:
Aus Rechtsgründen hat Google 1 Ergebnis(se) von dieser Seite entfernt.
Dass mit Google nicht zu spassen ist, hat auch BMW am eigenen Leibe erfahren muessen. So nahm Google die Seite aus dem Index nachdem man bei BMW versuchte das Ranking unerlaubterweise zu pushen.
Interessiert bin ich in der kuenftigen Entwicklung der Zensur. Wie weit wird die Politik Druck ausueben koennen, wie weit wird sich Google dem Staat beugen und ab wann ist Schluss? Wird Google gar zum Macht-Spielzeug der Regierungen dieser Welt werden?
Am 22. Mai 2007 um 08:13 Uhr
> wie weit wird sich Google dem Staat beugen und ab wann ist Schluss
Die Zensur betreffs China zeigt deutlich, daß es Google nur um Marktanteile geht.
Es gab schon meherer Fälle, wo Dissidenten wegen googeln an Behörden von Google selbst verraten wurden, siehe Artikel u.a. in c’t. (Habe keine Links zur Hand, aber googeln hilft auch da :-))
P.S. zu dem Board hier: Eine Zitatfunktion mit schwarzem Eingabe-Text auf schwarzem Hintergrund erleichtet das Kommentarschreiben ungemein :-P :-P :-P
System: Slackware, Mozilla 1.5.0.x
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Am 22. Mai 2007 um 13:34 Uhr
Ja, sicher geht es Google nur um Marktanteile. Doch dass nicht nur Google, sondern auch Yahoo und sicherlich auch viele andere Suchmaschinen, Daten weitergeben wurde am Fall Shi Tao ausgiebig diskutiert.
Interessant ist unterdessen inwieweit sich Google oder auch andere Suchmaschinen erlauben koennten auf Forderungen der Regierung nicht einzugehen. Es liegt zwar nicht in Googles Interesse sich quer zu stellen, aber wie wuerde es laufen, wenn die Suchmaschinen eine Kooperation mit dem jeweiligen Land verweigern? Wie weit koennte die Politik in einem solchen Fall Druck ausueben?
Du hast Recht. Ich habe diesen Fehler ausgebessert. Vielen Dank fuer den Hinweis, es war keine Absicht. ;)
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