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HTC Desire: Oxygen ROM mit Android 2.3.3

By Fabi  //  Android, Handy, HTC Desire, ROM  //  10 Comments

Wer sich schon ein wenig mit der neusten Smartphone-Generation auseinandergesetzt hat, der weiss dass IT-Hobby-Bastler liebend gerne an den High-Tech-Geraeten rumschrauben. Dazu kommt, dass Android als Open Source vermarktet wird und daher bei Bastlern ganz besonders beliebt ist. Was also liegt naeher als eine modifizierte Version von Android, ein sogenanntes Custom-ROM?

Eines dieser modifizierten ROMs ist das Oxygen-ROM fuer das HTC Desire, welches momentan in der Version 2.0.3 vorliegt. Dieses kann nach einem Root auf das Desire aufgespielt werden. Fuer alle Personen, die sich damit nicht auskennen: Rooten ist keine Spielerei. Bitte informiert euch genau darueber welche Auswirkungen ein Root hat und was dabei zu beachten ist (beispielsweise hier und hier). Entgegen aller Verharmlosung, die sich im Internet an allen Ecken und Enden findet, sind ein Root und dessen Konsequenzen nicht zu unterschaetzen und sollten wohl durchdacht werden!

Ich schreibe ueber dieses ROM, weil ich es selbst einsetze und wahnsinnig begeistert davon bin. Doch was zeichnet dieses ROM aus? Und warum kann ich es weiter empfehlen. Im Folgenden will ich kurz darlegen warum ihr euch, solltet ihr zu einem Custom-ROM tendieren, unbedingt dieses ROM anschauen solltet.

Geschwindigkeit

Wohl am deutlichsten bemerkt man den Geschwindigkeitszuwachs, den das Desire durch das Update erhaelt. Dieser hat seinen wesentlichen Ursprung darin, dass im ROM vom originalen Google-Quellcode ausgegangen wird und dieser modifiziert wurde. Es ist daher nicht auf ROMs von HTC oder anderen Herstellern aufgebaut, sondern fusst auf dem originalen Google-Quellcode. Das merkt man!
Vor allem wenn man von HTC Sense kommt, bei dem wirklich viele Apps und Dienste laufen, die zumindest ich nie benoetigt habe. Diese Programme verbrauchen Ressourcen, die im Oxygen-ROM frei sind. Auch hat sich mit Android 2.3 etwas an der Geschwindigkeit von Android selbst getan, da Google die Speicherverwaltung ueberarbeitet hat.

Neue Funktionen

Android kann viel, das steht ausser Frage. Mit Gingerbread kann Android allerdings noch mehr. Beispielsweise kann man jetzt einen SIP-Account einrichten, der es einem ermoeglicht ohne fremde Software ueber einen Internetanbieter zu telefonieren. Ich nutze das um mit einer zweiten Nummer, einer Festnetznummer, erreichbar zu sein. So bezahlen viele Leute, die eine Festnetzflat haben, nichts fuer einen Anruf bei mir. Da beides auf meinem Handy landet macht es fuer mich keinen Unterschied.
Doch das ist nicht die einzige Aenderung. Besonders gut gefaellt mir auch die Tastatur, die Google zum Gingerbread-ROM gepackt hat. Diese ist entgegen der HTC-Tastatur deutlich effizienter zu bedienen. Zwischenzeitlich hatte ich bei der Swype-Beta teilgenommen und auch Swype probiert gehabt (das war damals noch unter Android 2.2 – HTC Sense ROM) und muss sagen, dass die neue Tastatur sogar Swype problemlos einsackt. Wer die Tastatur nicht kennt und sie sich mal anschauen moechte, der findet bei den XDA-Developers eine entsprechende Version fuer jedes Desire – ob mit Gingerbread oder nicht.
Weitere neue Funktionen von Gingerbread fasst Google auf den Developer-Seiten zusammen.

Optik

Ich persoenlich war von Sense nie sonderlich begeistert. Sicherlich sieht Sense nicht schlecht aus, allerdings bin ich ein Fan von Minimalismus und Funktionalitaet. Und genau hier finde ich kann das neue Android punkten. Der Standard-Launcher verfuegt ueber fuenf Screens – vollkommen ausreichend wie ich finde. Viel zum Design selbst sagen kann man nicht, denn es ist wohl Geschmacksache. Was allerdings auffallend ist: die Ueberblend-Effekte beim Laden und Schliessen von Apps wirken deutlich geschmeidiger. Ob das am neuen Android liegt oder nur daran, dass kein Sense mehr verwendet wird, kann ich allerdings nicht beurteilen.

Sicherheit

Sicherheit ist ein wesentlicher Punkt, der mich dazu bewegt hat, das Update durchzufuehren. Google selbst schweigt sich ueber Sicherheitsluecken aus und gibt nicht an ob und wie viele davon bekannt sind. Das ist wohl oder uebel auch gut so, denn bei der derzeitigen Updatepolitik der Hersteller waere das Bekanntwerden und massenhafte Ausnutzen von Sicherheitsluecken vermutlich das Todesurteil fuer Android. Generell glaube ich, dass das Sicherheitskonzept von Android bezueglich der Sicherheitsupdates etwas wage ist – zumindest wie es derzeit gehandhabt wird. Noch hatten wir den Fall nicht, dass es einen Wurm/Virus/whatever gab, der sich ueber Sicherheitsluecken im Android-System einschleusst und vielleicht sogar selbststaendig auf andere Smartphones vertreibt. Doch wenn es zu diesem Fall kommen sollte, dann sehe ich ein riesen Problem fuer die Android-Gemeinschaft. Denn Sicherheitsupdates muessen erst durch alle Instanzen und das meint Google, Hersteller und Netzbetreiber. Und wie man in der Vergangenheit gesehen hat, kann sich das sehr lange ziehen. Eine schnelle Reaktion ist da kaum moeglich. Hier muesste Google mit einem zentralen Update-System entgegensteuern – doch das wuerde wieder auf Kosten der Anpassungsmoeglichkeiten fuer die Hersteller gehen. Es ist und bleibt eine Gratwanderung.

Gut zu wissen ist allerdings, dass Google mit seinem Sicherheitssystem auf Android sehr gute Arbeit geleistet und an beinahe alles gedacht hat: Sandboxen, Nutzerrechte, und vieles mehr laesst gruessen. Doch bekanntlich ist ein System immer nur so gut wie sein Entwickler. Und irren ist menschlich …

Jedenfalls waren diese Ueberlegungen fuer mich mit ein Grund auf Android 2.3 Gingerbread umzusteigen – eben weil es moeglich ist, dass dort bereits einige bekannte Luecken gestopft worden sind, zu denen sich Google ausschweigt. Das ist zwar immer noch nicht perfekt sicher, aber besser als eine veraltete Version einzusetzen.
Allerdings koennte man jetzt auch einwerfen, dass ich mit einem Root neue Sicherheitsloecher aufgerissen habe. Dazu kann ich nur sagen, dass ich sehr genau abwaege welchen Apps ich Root-Zugriff erlaube. Genau das meinte ich oben mit meinem Hinweis darauf, dass man sich sehr genau darueber informieren muss was ein Root-Zugang erlaubt. Es ist also meiner Meinung nach ein Abwaegen in der Sicherheitsfrage. Ich denke zwar, dass es keine perfekte Loesung gibt, allerdings halte ich meine Weg fuer am wenigsten bedenklich.

Fazit

Jetzt habe ich ein paar meiner Gruende genannt, warum sich ein Update lohnen koennte. Schlussendlich muss sich jeder selbst entscheiden. Fuer meinen Teil kann ich nur sagen, dass es eine sehr gute Entscheidung war und ich mit meinem Desire jetzt noch gluecklicher bin als bereits zuvor. An dieser Stelle gilt mein Dank vor allem zweien: AdamG, der das ROM entwickelt hat und thalamus, der fuer den Kernel verantwortlich ist. Eine Spende fuer die grandiose Arbeit ist bereits bei AdamG eingegangen. Gute Arbeit muss unterstuetzt werden!

Falls es Rueckfragen oder Diskussionsbedarf gibt, dann schreibt wie immer einfach einen Kommentar. Ich bin schon gespannt was euch auf den Fingern brennt. ;)

Update:
Weil ich in den Kommentaren dazu angehauen wurde: Inzwischen ist das Oxygen-ROM natuerlich weiterentwickelt worden. Derzeit aktuell ist die Version 2.1.6 (Stand 03.08.2011), welche Android 2.3.4 mitbringt. Diese laeuft bei mir schon seit einigen Tagen und ist super stabil. Zwischen den Versionen kann man Updaten, in dem man sich die neue Version herunterlaed, diese auf die SD-Karte speichert und dann analog zur Erstinstallation im Recovery-Modus das Update installiert. Der einzige Unterschied: es braucht keinen Wipe mehr, da die Datenbanken, die vom Oxygen-ROM verwendet werden gleich blieben und sich in der Regel zwischen zwei Versionen auch nicht aendern.

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