LinuxTag nimmt Stellung zur Schirmherrschaft Schaeubles

Vor einigen Tagen wurde es offiziell: Bundesinnenminister Wolfgang Schaeuble soll die Schirmherrschaft ueber den LinuxTag uebernehmen. Nicht nur unter den Bloggern hat diese Meldung eine rege Diskussion ausgeloest. Man fragte sich wie ein Mensch wie Schaeuble, der fuer die totale Ueberwachung steht, an Linux und anderen Open-Source-Projekten interessiert sein kann und warum man gerade ihm die Schirmherrschaft ueberlaesst. Ist dieser Schritt zu verantworten?

Die Kritik war hart, so schreibt Korrupt, Redakteur von gulli.com:

Ausgerechnet Bundesinnenminister Wolfgang “Ich bin anständig” Schäuble übernimmt die Schirmherrschaft. Immerhin: vielleicht kann er sich vor Ort davon überzeugen, wie seine Stasi 2.0-Pläne durch freie Systeme über den Haufen geworfen werden können.


Auch spricht man im Netz schon von des Teufels Advokaten wenn man Schaeuble meint. Die allgemeine Stimmung: mies!

Indes bekundet das LinuxTag-Management verzweifelt seine Entscheidung warum gerade Schaeuble auserwaehlt wurde um die Schirmherrschaft zu uebernehmen. Klares Ziel der Verlautbarung: einen Boykott des LinuxTag zu verhindern.
In der Stellungsnahme heisst es:

Wir begrüßen explizit eine kritische Auseinandersetzung mit diesen Themen, sehen diese jedoch nicht im unmittelbaren Fokus unserer Veranstaltung. Das Ziel des LinuxTag e. V. ist es, Freie Software zu fördern. Dieses Ziel ist uns sehr wichtig und unser Hauptanliegen. [...]
Dass auch der aktuelle Bundesminister diese Ziele im Hinblick auf Freie Software verfolgt, ergibt sich klar aus den schon in unserer Newsmeldung zitierten Schreiben: “Wie Sie wissen, fördert mein Ministerium seit Jahren den Einsatz Freier bzw. Open Source Software in Ergänzung und als Alternative zur herkömmlichen lizenzpflichtigen Software. Open Source Software ist mittlerweile in vielen Bereichen eine technisch ausgereifte und praktisch millionenfach erprobte Alternative geworden. Zudem kann sie helfen, Haushaltsmittel zu sparen und die Sicherheit des IT-Einsatzes zu steigern.”

Man glaubt also Herrn Schaeuble, wenn dieser verlauten laesst, dass er ueberaus interessiert an Open Source ist. Klingt logisch, denn da kann er sicherlich auch wunderbar seinen Bundestrojaner verstecken – in Open-Source-Programmen kann jenen ja auch ueberhaupt niemand einsehen und nachvollziehen.
Weiterhin heisst es in der Stellungsnahme:

Wir sehen uns nicht in der Position, hier irgendwelche Empfehlungen abzugeben, möchten aber daran erinnern, dass durch ein Wegbleiben von der Veranstaltung am ehesten die vielen Freien Projekte getroffen werden, die unter Einsatz erheblicher Anstrengungen in ihrer Freizeit die Präsentation ihrer Ergebnisse vorbereitet haben. Herr Schäuble selbst wird von solchen Maßnahmen vermutlich überhaupt nichts mitbekommen, da er schon mit seinem Schreiben darauf hingewiesen hat, dass er aus terminlichen Gründen nicht am LinuxTag teilnehmen kann.

Aergerlich. Jetzt macht man sich schon den Stress mit den vielen Linuxlern und anderen Befuerwortern von Open Source, gibt Schaeuble die Schirmherrschaft obwohl klare Bedenken herrschen und dann sagt dieser aus terminlichen Gruenden ab. Fuehlt man sich da nicht ein klein wenig an der Nase herumgefuehrt? – Auch bei Fixmbr sieht man das kritisch.

Uns soll es egal sein, dann unter diesen Umstaenden kann man sich wenigstens wieder dem Hauptanliegen widmen freie Software zu foerdern. Man versucht ja stets alles positiv zu sehen, nicht wahr?

2 Reaktionen zu “LinuxTag nimmt Stellung zur Schirmherrschaft Schaeubles”

  1. LinuxTag e.V. befindet: Habt euch nicht so! « Zappis Welt 1

    Am 18. Mai 2007 um 19:41 Uhr

    [...] Dank an Crashsource für den Fingerzeig. [...]

  2. crashsource.de » Blog Archiv » Debianforum kritisiert Schirmherrschaft Schaeubles 2

    Am 22. Mai 2007 um 18:59 Uhr

    [...] ueber den LinuxTag uebernehmen wird, laufen Anhaenger von Open Source sowie zahlreiche Blogger, mich eingeschlossen, Sturm gegen diese Entscheidung. Das Management des LinuxTag befuerchtete einen Boykott und wandte [...]

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